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Ich gehe los.

  • office7087
  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Montagmorgen. Die Luft im Bürogebäude ist wie immer: trocken, schwer, der Geruch durchzogen von Desinfektionsmittel und abgestandenem Kaffee. Aus der Zwischendecke raschelte es verdächtig – der Kammerjäger hatte seinen nächsten Besuch schon angekündigt. Ich wusste nicht, was mich mehr störte: der chemische Gestank oder die Vorstellung, dass die Mäuse sich längst ein gemütliches Zuhause eingerichtet hatten, irgendwo zwischen Akustikplatten und Kabelkanälen. Manchmal beneidete ich sie sogar um ihre Verstecke. Ich drückte auf den Knopf des Kaffeeautomaten. Er brummte, fauchte, blinkte – fast wie eine Karikatur meiner inneren Verfassung. Der Kaffee war lange kein Genuss mehr, eher ein Anker. Ich hielt mich an der Kaffeetasse fest, als ob sie mich vom anstehenden Meeting retten könnte.

Während das Rauschen des vorbeiziehenden Verkehrs mir ein "Beeil dich. Schneller. Mach weiter." zuraunte, manövrierte ich Kaffee, Laptop und Handy ins Besprechungszimmer.


Unzählige Male hatte ich lächelnd zu mir und anderen gesagt: „Ich arbeite, wo andere Urlaub machen." Klingt doch gut, oder? Doch die Realität sah anders aus. Seit Wochen hatte ich die Berge nicht mehr gesehen - nur auf Fotos in Präsentationen über Destinationsmarketing.


"Du brauchst einfach mal Urlaub. Vielleicht so ein Retreat. Yoga, Detox, irgendwas." Meine Freundin wedelte mit der Hand, als könnte sie meine Probleme einfach wegwischen wie Krümel vom Tisch.

Ich nickte. Und sagte nichts.


Ich und Yoga? Das hatte ich doch schon mal versucht. Völlig verkrampft zwischen all den viel zu laut atmenden Menschen gestanden, die aussahen, als wären sie eine Mischung aus alternder Hippies und neureicher Instamodels. Und diese Stiefmütterchen und Kerzen in dem stickigen Raum. Das war bestimmt nicht mein Weg.

Aber was war mein Weg?


Und irgendwann stand ich mit einem Stift vor einem Blatt Papier. Weiß. Leer. Wie so viele Tage, die ich durchlebt habe, ohne wirklich darin gelebt zu haben. Und dann schrieb ich drei Worte: Ich gehe los.


Mehr war es zunächst nicht. Aber manchmal beginnt eine Veränderung genau so – leise, unspektakulär und schwer zu ignorieren.

Das ist keine Geschichte vom perfekten Neuanfang. Es ist die Geschichte davon, wie ich anfing, mich wieder zu spüren, statt nur zu funktionieren. Und genau darum geht es hier: um das, was entsteht, wenn man aufhört, sich hinter Terminen, Lächeln und dem Gefühl, immer „okay“ sein zu müssen, zu verstecken.



Was die Wissenschaft sagt:


Was ich damals erlebte, hat einen Namen. Oder mehrere. Christina Maslach beschreibt Burnout als emotionale Erschöpfung, oft verbunden mit Distanzierung von sich selbst. Der Körper schützt sich. Das Gehirn schaltet auf Autopilot.


Chronischer Stress hält den Organismus in Alarmbereitschaft. Das klingt medizinisch, ist aber vor allem menschlich: Der Körper versucht, mit einer Situation fertigzuwerden, die er längst nicht mehr einordnen kann. Er funktioniert weiter, während innen schon vieles still geworden ist.


Das Erschreckende ist: Wir merken es oft nicht selbst. Weil Funktionieren sich wie Stärke anfühlt. Weil Beschäftigtsein sich wie Bedeutung anfühlt. Weil das Lächeln im Spiegel sitzt, auch wenn innen längst niemand mehr zu Hause ist.


Burnout entsteht nicht nur durch zu viel Arbeit, sondern auch durch den Verlust von Sinn, Kontrolle und Gemeinschaft. Genau diese drei Faktoren fehlen oft lange, bevor wir selbst erkennen, dass etwas nicht mehr stimmt.


Und dann ging ich los


Im Frühsommer 2013. Keine große Ankündigung, keine fertige Antwort. Nur diese drei Worte auf dem Papier — und der Entschluss, ihnen zu vertrauen.


Was danach kam, war keine Flucht. Es war eine Weltreise. Und irgendwann unterwegs hörte ich auf, die Person zu sein, die ich immer gewesen war. Nicht mit Absicht. Sondern weil die alten Kleider plötzlich nicht mehr passten.


Unter einem anderen Namen habe ich in dieser Zeit gelebt. Ein Name, der langsam zu mir wurde. Durch alles, was ich erlebt, gesehen und gespürt habe.

Satori ist japanisch und meint ein Erwachen, eine Form von Erkenntnis. Nicht als plötzlicher Knall, sondern als Erfahrung, die sich verdichtet, bis man sie nicht mehr übersehen kann.


Satori ist kein Name, den ich mir ausgedacht habe. Er hat sich mir gegeben — langsam, über viele Orte, viele Gespräche, viele Nächte, in denen ich zum ersten Mal seit Jahren einfach nur war.


Ich bin Tanja Satori. Hypnose- und Bewegungscoach. Yogalehrerin. Und die Frau, die an einem Montagmorgen beschlossen hat, dass Funktionieren keine Antwort auf die Frage ist, wozu wir auf der Welt sind.


In meiner Arbeit begleite ich genau diese Momente: das Erwachen, das Bewusstwerden, das Spüren. Ich helfe dabei, Blockaden zu lösen, Bewegung in Körper und Geist zu bringen und den Raum zu halten, in dem sich ein eigener Weg entfalten kann.


Für mich ist Satori nicht nur ein Name. Es ist eine Einladung — an mich selbst und an dich.


Alles Liebe

Tanja Satori



 
 
 

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